Rainer Köberl erhielt Tiroler Landespreis für Kunst 2026
Laudatio von Arno Ritter anlässlich der Preisverleihung
Im Rahmen des "Fest der Kultur 2026", das am Dienstag, 22. September 2026 im Innsbrucker Haus der Musik stattgefunden hat, überreichte Landeshauptmann Anton Mattle dem Architekten Rainer Köberl den Tiroler Landespreis für Kunst 2026. Die Laudatio hielt Arno Ritter, Leiter des aut. architektur und tirol, das Rainer Köberl seit vielen Jahren nicht nur als Vorstandsmitglied maßgeblich mitprägt.
Liebe Damen und Herren, lieber Rainer,
Wenn man eine Laudatio zu Rainer Köberl halten soll, die nicht länger als 8 Minuten dauern darf, wird es eng, denn ich könnte jedem seiner 10 Lebensjahre nur etwas mehr als 1 Minute widmen. Deswegen werde nicht über sein Leben und Werk reden, sondern nur darüber, weswegen ich vermute, dass er den Preis bekommen hat, da ich an der Entscheidung nicht beteiligt war: Nach den Architekt:innen Josef Lackner, Othmar Barth, Margarethe Heubacher-Sentobe, Volker Giencke und Hanno Schlögl, die seit 1989 den Tiroler Landespreis für Kunst erhalten haben, reiht sich Rainer ab heute in diese Liste ein.
Vorab eine grundsätzliche Frage: was wird eigentlich mit diesem Landespreis ausgezeichnet und wie kann man die getroffene Entscheidung begründen? Aus meiner Sicht geht es natürlich um ein außergewöhnliches Werk, um dessen Vorbildfunktion, vor allem aber auch um die Strahlkraft der Person über das Werk hinaus, nämlich um seine „politische“ Rolle in der kulturellen „Polis“ von Tirol. Und diese Rolle nimmt Rainer seit Jahren ein, denn er widmet sich als mehrfach in Tirol, aber auch international ausgezeichneter Architekt nicht nur seinen Projekten, sondern beschäftigt sich mit dem weiten Feld der Kulturgeschichte der Welt und seinem Lebensumfeld, von der Musik – er spielt selber Querflöte – über die Kunst, Literatur und Geschichte, bis natürlich zur Architektur.
Ich kenne nur wenige Menschen in diesem Land, die so ein Wissen in diesen Bereichen haben, viele Kreative persönlich kennen und mit ihnen im regen Austausch sind. Es erstaunt mich immer wieder, was er nicht schon alles auf der Welt und im hintersten Winkel von Tirol gesehen hat, aber nicht auf einer oberflächlichen Art und Weise, sondern analytisch reflektiert und meistens mit einer eindeutigen Meinung dazu. Dabei ist ein wesentlicher Ausdruck seiner Ein- und damit Wertschätzung die Formulierung: das Bauwerk oder die Person ist gut, was mich anfänglich immer wieder zu Widersprüchen animierte, wobei ich aber später nicht selten einsichtig wurde. Aber auch das Gegenteil, nämlich das etwas nicht gut ist, artikuliert Rainer, dann argumentiert er, macht Vorschläge oder bringt alternative Überlegungen ein, schreibt Emails und äußerst sich öffentlich zu gewissen Fehlentwicklungen im Land Tirol oder in Innsbruck.
Man könnte Rainer auch als kritisches Gewissen bezeichnen, aber nicht, weil er ein Querulant ist, sondern weil ihm viel an der qualitativen Entwicklung des Landes liegt. Er ist für mich ein Citoyen der klassischenSchule, der – ich zitiere – „aktiv und eigenverantwortlich am Gemeinwesen teilnimmt und dieses mitgestaltet“ – oder es zumindest versucht. Denn nicht immer wird er erhört und seine Vorschläge umgesetzt, aber zum Schweigen bringen ihn diese abschlägigen Erfahrungen nicht, denn dies widerspräche seiner Persönlichkeit und seinem Engagement für die Bau- und Lebenskultur von Tirol. Rainer fordert die Umgebung mit seinen eindeutigen Haltungen heraus, formuliert diese, typisch tirolerisch, recht klar und vehement, macht keine rhetorischen Umwege, wie es in Wien üblich ist, fördert damit aber beim Gegenüber Denklichkeit, eine Überprüfung der eigenen Haltung, was eigentlich die Grundlage unserer demokratischen Gesellschaftsstruktur ist bzw. sein sollte.
Seit Jahren schreibt er regelmäßig in der aut: info das Feuilleton „small is beautiful“, wo er weithin unbekannte Bauten oder verborgene Objekte aufspürt, diese analytisch reflektiert und damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Der Vorarlberger Architekt Andreas Cukrowicz hat mir einmal erzählt, dass er als erstes, wenn er die aut: info in die Hände bekommt, die Seite von Rainer liest, da seine Ausführungen immer spannend und vor allem für ihn inspirierend sind. Darüber hinaus widmet sich Rainer auch Projekten von anderen Architekt:innen, fährt bis ans Endchen der Welt, und „adelt“ mit seinem Feuilleton, im wortwörtlichen Sinne, die vorgestellten Bauten. Denn Rainer ist mittlerweile eine über Tirol hinaus anerkannte, geschätzte, manchmal aber auch gefürchtete Instanz, seine Kritik kann fundamental sein und daher auch weh tun.
Grundsätzlich unterscheide ich aber Kritik von Meinung, denn eine Meinung haben viele schnell, entäußern oder posten sie und finden sich im Meinungsrecht, aber eine konstruktive Kritik ist im schönsten Fall wie der Stich einer Akupunkturnadel, sie schmerzt kurz, da sie einen wunden Punkt trifft, den man manchmal auch selber kennt, und führt, wenn man den Argumenten ehrlich gegenüber ist, nach einiger Zeit zu einer geistigen Entspannung und bringt einen vor allem weiter. Zumeist kommt die beste Kritik aus einem respektvollen und empathischen Naheverhältnis, von jemandem, der oder die einen sehr gut und die eigenen Schwachpunkte kennt, aber einem letztendlich nur weiterhelfen will.
Rainer begleitet mich und meine Arbeit von Anfang an, ich habe auch einige Nadelstiche von ihm erfahren dürfen, habe sie überlebt, und sie haben mich in meinem Denken und in der Arbeit weitergebracht. Darüber hinaus hat Rainer die Entwicklungsgeschichte vom aut immer wieder um Ideen, Vorschläge und kritische Kommentare bereichert, hat mittlerweile zwei Ausstellungen – eine über Lois Welzenbacher und eine über seinen Lehrer Othmar Barth – verantwortet und kommt fast immer zu den Vorträgen oder den Ausstellungen. Er gehört schon fast zum lebendigen Inventar im Adambräu, das er mit Erich Wucherer und Thomas Giner, der leider vor kurzem verstorben ist, 2004 umgebaut hat.
In diesem Sinne danke ich dir persönlich für deine empathische wie kritische Begleitung meiner Biografie, dann für dein langjähriges Engagement im aut und heute offensichtlich, danke ich dir im Namen des Landes Tirol für deine unermüdliche Begleitung als Citoyen der architektonischen wie kulturellen Landschaft deiner Heimat, wünsche dir noch viele tolle Aufträge und vor allem eine lang währende Lebensenergie, denn diese benötigen wir, sowohl ich, das aut, wie die Baukultur und das Land Tirol. Herzliche Gratulation.
