friedrich achleitner: othmar barth. architektur und landschaft
Ein Auszug aus Friedrich Achleitners Text „Architektur und Landschaft“, erschienen in der aut: info 1/26.
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Ein Filmprojekt von Lukas Schaller und Rainer Köberl
ausstellungOthmar Barth (1927 – 2010) gilt mit seinem umfangreichen, ab den späten 1950er-Jahren entstandenen Werk als wegweisend für die Entwicklung der modernen Architektur in Südtirol. Mit Bauten wie der Cusanus-Akademie im historischen Zentrum Brixens, der wie ein „Strich in die Gegend“ gesetzten Schule in Stams, dem Seehotel Ambach am Kalterer See oder der eindrucksvollen Anlage des Bischofssitzes in Pordenone setzte Barth Maßstäbe für einen selbstverständlichen, zugleich hochpräzisen Umgang mit Ort, Landschaft und gebauter Struktur.
Aufgewachsen in der Brixner Oberstadt erlernte Barth zunächst im väterlichen Betrieb das Tischlerhandwerk. Diese frühe Nähe zu Material und handwerklicher Präzision sollte sein späteres Arbeiten nachhaltig bestimmen. Ab 1947 studierte er Architektur an der Technischen Universität in Graz und sammelte in den Sommermonaten erste Berufserfahrungen bei Wilhelm Weyhenmeyer in Bozen, wo er auch mit städtebaulichen Fragestellungen in Berührung kam. 1953 ging er nach Rom, um an der dortigen Universität zu studieren und die Anerkennung seines österreichischen Studientitels in Italien zu erlangen. Zwei Jahre lang arbeitete er in der Planungsabteilung des Olympischen Komitees mit und besuchte unter anderem Vorlesungen von Pier Luigi Nervi.
1955 kehrte Othmar Barth in seine Heimat zurück und begann – mit seiner späteren Frau Gretl Schödelbauer als erster Mitarbeiterin und lebenslanger Ideenlieferantin und Kritikerin – den Aufbau des eigenen Büros. In Folge realisierte er mit Wohnbauten, kirchlichen Aufträgen, Industriebauten, Kindergärten und Schulen ein breites Spektrum an Aufgabenfeldern, das sich geographisch auf die überschaubare Welt von Brixen und Südtirol konzentrierte – eine bewusste Beschränkung, die eine tief in lokaler Baukultur verwurzelte Architektur ermöglichte.
Was alle Bauten Barths verbindet, ist eine ausgeprägte Raumkörperlichkeit, die präzise Lichtführung, die Liebe zum Detail sowie der souveräne Einsatz von meist sichtbar belassenen Materialien wie Beton oder Ziegel. Gute Architektur verstand er als Ergebnis eines analytischen Vorgehens, das auf strukturellen Überlegungen und konstruktiver Klarheit aufbaut und dabei stets die gesellschaftlichen Verpflichtungen des Bauens mitdenkt. Mit zeitgemäßen Mitteln formulierte er autonome Antworten auf die jeweilige Aufgabenstellung und schuf zeitlose Bauten, die bis heute nichts von ihrer Präsenz eingebüßt haben.
Exemplarisch zeigt sich diese Haltung bei der Schule in Stams, einem Schlüsselbau der Moderne in Tirol. In dem für ihn charakteristischen Umgang mit Landschaft und vorhandener Bausubstanz setzte Barth dem barocken Ensemble der Zisterzienserabtei einen langen, teilweise in den Boden abgesenkten Baukörper entgegen. Das aus zwei autonomen, doppelt gekrümmten Schalen geformte Dach mit mittigem Lichtband überspannt die Schulräume, das Heim und die dazwischen liegenden Sportanlagen und verleiht den einzelnen Bereichen jeweils einen eigenen räumlichen Charakter.
Othmar Barth war jedoch nicht nur als Architekt eine prägende Figur, sondern er spielte auch durch seine fast 20-jährige Lehrtätigkeit an der Universität Innsbruck eine zentrale Rolle für eine ganze Generation an Architekt:innen. Indem seine Lehre nicht von einer festgeschriebenen Doktrin bestimmt war, sondern von einem gemeinsamen, fragenden Annähern an architektonische Problemstellungen, förderte er eigenständiges Denken und die Entwicklung individueller Haltungen.
Die von Rainer Köberl – Architekt und ehemaliger Assistent von Othmar Barth an der Universität – gemeinsam mit dem Fotografen und Filmemacher Lukas Schaller konzipierte Ausstellung „Über Othmar Barth“ stellt fünfzehn der noch weitgehend unverändert erhaltenen Bauten des Architekten vor. Ähnlich wie in der 2019 ebenfalls von Köberl und Schaller realisierten Schau „Über Lois Welzenbacher“ sind es filmische Dokumentationen, die die Bauwerke vielschichtiger wahrnehmbar machen als auf einer rein fotografisch-visuellen Ebene. In langen und ruhigen Kameraeinstellungen fängt Lukas Schaller den städtebaulichen oder landschaftlichen Kontext ein, vermittelt die spezifische Raumdramaturgie der Gebäude und lenkt den Blick auf Details, Oberflächenstrukturen und Materialien. Gezeigt werden sowohl die bekanntesten Schlüsselwerke als auch mehrere Bildungsbauten, das Pfarr- und Gemeindezentrum sowie die Wohnsiedlung in Haslach und das kleine Freibad „Gretl am See“ – jeweils ergänzt durch Pläne und Hintergrundinformationen.
filmisch dokumentierte bauwerke
• Pfarrkirche St. Andreas, Oberrasen, 1959 – 60
• Kardinal-Nikolaus-Cusanus-Akademie, Brixen, 1961 – 62
• Geschäftshaus Athesia-Buch, Bruneck, 1967
• Schule und Knabenseminar Salern bei Vahrn (heute: Fachschule für Land- und Hauswirtschaft Salern), Brixen, 1968 – 72
• Freibad und Restaurant „Gretl am See“, Kaltern, 1969 – 71
• Stuhlfabrik der Plank G.m.b.H., Auer, 1970
• Staatliche Lehranstalt für Frauenberufe mit Heim (heute: Brandnamic Campus), Pairdorf bei Brixen (Tschötsch), 1971
• „Herberthaus“, Kranebitt bei Brixen, 1971
• Kindergarten der Pfarrgemeinde Brixen / Milland, 1972
• Seehotel Ambach, Kaltern, 1972 – 73
• Pfarr- und Gemeindezentrum St. Gertraud, Bozen / Haslach, 1974 – 75
• Wohnsiedlung Haslach, Bozen, 1974 – 84
• Internatsschule für Skisportler, Stams, 1977 – 82
• „Haus Unterland“ – Gemeindezentrum mit Kindergarten, Neumarkt, 1978
• Diözesanzentrum für pastorale Aktivitäten, kulturelle Dienste und Wohnungen für Bischof und Klerus, Pordenone, 1984 – 88
othmar barth meets leopold gerstel
Parallel zu „Über Othmar Barth“ ist im Archiv für Bau.Kunst.Geschichte die von einer Publikation begleitete Ausstellung „Othmar Barth meets Leopold Gerstel … in Innsbruck. Architektur als Lehre“ zu sehen. Sie konzentriert sich auf Vorlesungen, Vorträge und Aufzeichnungen der beiden Kollegen, die zusammen mit Josef Lackner ein kongeniales Professorentrio an der jungen Innsbrucker Architekturfakultät bildeten. Ausgewählte Textpassagen machen ihre besondere Fähigkeit zur Sprache über Architektur sichtbar und vermitteln ihr spezifisches, zugleich zeitloses Verständnis von Architektur.
ausstellungsort Archiv für Bau.Kunst.Geschichte, im Adambräu, Ebene 6
ausstellungsdauer 24. März bis 12. Juni 2026
öffnungszeiten Mo, Di, Do 9 – 12 und 13 – 16 Uhr, Mi 9 – 12 und 13 – 19 Uhr, Fr 9 – 12 Uhr
Eine Ausstellung basierend auf einem FWF Projekt von Mathieu Wellner sowie auf Seminaren von Mathieu Wellner und Hilde Strobl mit Studierenden an der Universität Innsbruck
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geb. 1927 in Brixen; Tischlerlehre in der Werkstätte des Vaters Johann Barth jun.; 1947 – 52 Diplomstudium an der Technischen Universität Graz; 1946 – 53 Praxis an Baustellen und im Büro von Architekt Wilhelm Weyhenmeyer in Bozen; 1953 – 55 Studium an der Universität Rom; Praxis im Planungszentrum des Olympischen Komitees in Rom unter der Leitung von Annibale Vitelozzi, wo gem. mit Pier Luigi Nervi die Planungen für die Olympiabauten in Rom durchgeführt wurden; ab 1955 eigenes Architekturbüro in Brixen gemeinsam mit seiner späteren Frau Gretl Schödelbauer; 1970 Südtiroler Kulturpreis „Walther von der Vogelweide“; 1975 – 93 Professor für Raumgestaltung und Entwerfen an der Technischen Fakultät der Universität Innsbruck; 2007 „Josef-Lackner-Preis“ der Fakultät für Architektur der Universität Innsbruck; verstorben 2010 in Brixen
bauten (Auswahl)
1956 – 57 Wohnhaus Ing. Julius Durst, Brixen; 1956 – 57 Bischöfliches Seminar, Um- und Ausbau, Brixen; 1956 – 63 sos Kinderdorf (Südtiroler Kinderdorf), Brixen; 1961 – 62 Kardinal-Nikolaus-Cusanus-Akademie, Brixen; 1963 – 64 Werk der Durst Phototechnik AG, Brixen; 1967 Geschäftshaus Athesia-Buch, Bruneck; 1968 – 72 Schule und Knabenseminar Salern bei Vahrn, Brixen (heute: Fachschule für Land- und Hauswirtschaft Salern); 1969 – 71 Freibad und Restaurant „Gretl am See“, Kaltern; 1970 Stuhlfabrik der Plank G.m.b.H., Auer; 1971 Bebauungsstudie der Virglzone, Bozen; 1971 Staatliche Lehranstalt für Frauenberufe mit Heim, Pairdorf bei Brixen (Tschötsch) (heute: Brandnamic Campus); 1971 „Herberthaus“, Kranebitt bei Brixen; 1972 Kindergarten der Pfarrgemeinde Brixen / Milland; 1972 – 73 Seehotel Ambach, Kaltern; 1974 – 75 Pfarr- und Gemeindezentrum St. Gertraud, Bozen / Haslach; 1974 – 84 Wohnsiedlung Haslach, Bozen; 1977 – 82 Internatsschule für Skisportler, Stams; 1978 Kindergarten Siedlung Haslach, Bozen; 1978 „Haus Unterland“– Gemeindezentrum mit Kindergarten, Neumarkt; 1984 – 88 Diözesanzentrum für pastorale Aktivitäten, kulturelle Dienste und Wohnungen für Bischof und Klerus, Pordenone; 1990 Volksaltar in der Pfarrkirche Schwaz; 1993 Provinzhaus der Kreuzschwestern, Einbau Speisesaal und Hausbibliothek; 1996 Pastoralzentrum Bozen; 2000 Dreifachturnhalle für den Schulsport, Brixen / Zinggen-Roßlauf; 2002 Erweiterung Kindergarten der Pfarrgemeinde Brixen / Milland
Eine Ausstellung mit freundlicher Unterstützung von barth Innenausbau
Ein Auszug aus Friedrich Achleitners Text „Architektur und Landschaft“, erschienen in der aut: info 1/26.
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Eröffnung der Ausstellung, die ausgewählte Bauten des für die Entwicklung der modernen Architektur in Südtirol wegweisenden Architekten Othmar Barth (1927 – 2010) filmisch dokumentiert.
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Führung durch die Ausstellung, die ausgewählte Bauten des Südtiroler Architekten Othmar Barth (1928 – 2010) filmisch dokumentiert, und Ausklang mit Aperitif.
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