ivona jelčić: am beispiel bartlmä
Schon wieder muss ein Innsbrucker Kulturort um seine Existenz bangen. Diesmal geht es um die alte Gießerei (Halle 6) auf dem Areal der ehemaligen Maschinenfabrik Oberhammer in St. Bartlmä. Seit 2021 vom Verein SNKTBRTLM in Eigeninitiative und mit viel Engagement adaptiert und weiterentwickelt, hat sich das Herzstück dieser ehemaligen Industrie- und Gewerbebrache innerhalb kurzer Zeit zur angesagtesten Kulturlocation der Stadt gewandelt. Von der so genannten Sub- bis zur Hochkultur, vom jungen Alternativ-Festival bis zu den alteingesessenen Festwochen der Alten Musik oder den Klangspuren: Alle drängten nach Bartlmä, selbst Big Player wie die landeseigene Lebensraum Tirol Holding waren zwecks Demonstration von kreativem Innovationsgeist schon zu Gast.
Um den Kulturbetrieb zu finanzieren, ist der Verein auf die Einnahmen aus Veranstaltungen angewiesen. Man hat viel investiert, um baupolizeiliche und sicherheitstechnische Anforderungen zu erfüllen, Veranstaltungen wurden korrekt angemeldet – und auch genehmigt. Jetzt plötzlich sollen aber nur mehr zehn pro Jahr erlaubt sein. Beim Versuch, die Hintergründe zu verstehen, fühlt man sich alsbald an eine legendäre Episode aus „Asterix erobert Rom“ erinnert. Darin begeben sich Asterix und Obelix auf eine irrwitzige Odyssee durch die römische Bürokratie, um den ominösen „Passierschein A 38“ zu erhalten. Auch der Fall St. Bartlmä wurde offenbar in vielen Amtsstuben behandelt bzw. kamen zuletzt reihenweise ihre Vertreter:innen zu Besuch. Das Ergebnis, grob zusammengefasst: Die Widmung als Gewerbe- und Industriegebiet lässt zwar die Durchführung von Veranstaltungen zu, aber nur in einem gewissen Ausmaß. Wird, wie jetzt geschehen, behördlich eine „Regelmäßigkeit“ festgestellt, widerspricht das dem gewidmeten Verwendungszweck, wie es unter Berufung auf die Tiroler Bauordnung heißt. Eine Lösung wäre die Änderung der Nutzungsbewilligung, für die aber sehr viel höhere Auflagen erfüllt werden müssten. Dass ein Kulturverein die dafür notwendigen baulichen Adaptierungen finanziell nicht stemmen kann, liegt auf der Hand.
Es gab viele politische Sympathiebekundungen und es gibt Gespräche darüber, wie die Halle 6 als Kulturort erhalten werden kann. Spoiler: Ein Zaubertrank wird eher nicht helfen. Am Beispiel Bartlmä offenbart sich einmal mehr das grundlegende Problem einer Stadt, deren politische Führungsriegen seit viel zu vielen Jahren wahlweise zu engstirnig, zu zerstritten oder auch zu desinteressiert sind, um zu erkennen, dass Kulturorte wesentliche Impulsgeber für Stadtentwicklung sind. Was in Eigeninitiative entsteht, wird zwar geduldet und darf bei Gelegenheit sogar zu Repräsentationszwecken herhalten, aber nur solange es keine „Probleme“ oder gar die Notwendigkeit von Investitionen gibt. Das sind schlechte Voraussetzungen für nachhaltige Kulturarbeit, für die es auch entsprechende Strukturen braucht. Und jemanden, der sich für deren Schaffung zuständig fühlt.
Was die kulturelle Umnutzung von Industrie- und Gewerbebrachen betrifft, gäbe es übrigens auch Vorbilder, bei denen man sich Tipps abholen könnte, etwa in Dornbirn (CampusVäre) oder in Linz (Tabakfabrik). Dort war es freilich die öffentliche Hand, die diese Projekte vorangetrieben hat. Innsbruck hat sich diese Chance in Bartlmä bekanntlich entgehen lassen.
Text: Ivona Jelčić, aus aut: info 2/26
