otto kapfinger: die andere seite des fin de siècle
vortragNach sieben Jahren Recherche eines interdisziplinären, von Otto Kapfinger geleiteten Teams erschien 2025 die Publikation „Anatomie einer Metropole. Bauen mit Eisenbeton in Wien 1890 – 1914“ – eine profunde Revision des geläufigen Bildes der Kultur und Architektur von „Wien um 1900“, die auf die Anfänge und die Entwicklung der neuen Bautechnologie und deren konstruktive Möglichkeiten fokussiert. Der Einsatz von eisenarmiertem Beton ermöglichte weitgespannte Räume mit hoher Traglast und machte innovative Mehrzweckbauten wie Wohn- und Geschäftshäuser mit loftartigen Werkstrakten, integrierten Theatern und Kinos möglich. Die maßgeblichen heimischen Firmen, Konstrukteure und Planer wirkten in der ganzen Monarchie, hatten Dutzende Filialen und hunderte Baustellen. Sie waren publizistisch europaweit vernetzt und agierten vereinzelt bis Portugal und Rumänien. Auch in und um Innsbruck wären oder sind Spuren solcher konstruktiver Pionierbauten noch „zu entdecken“.
Bei seinem Vortrag berichtet Otto Kapfinger über die Spezifika der Recherche und zeigt ausgewählte Beispiele der weit über die Metropole Wien hinauswirkenden Entwicklungen dieser neuartigen Technologie.
otto kapfinger
geb. 1949; lebt in Wien als freier Forscher und Publizist; 1970 – 76 Experimentalgruppe MISSING LINK mit Angela Hareiter und Adolf Krischanitz; bis 1985 Baupraxis mit Adolf Krischanitz; 1981 – 91 Architekturkritiker bei DIE PRESSE; Autor zahlreicher Bücher und Ausstellungen zur Baukunst in Österreich, zuletzt u. a. 2015 „Architektur im Sprachraum“, 2018 „Fundamente der Demokratie“ (mit Adolph Stiller); 2014 Ehrendoktor der TU Wien
„anatomie einer metropole“
herausgeber Otto Kapfinger
autor:innen und forschungsteam Gabriele Anderl, Otto Kapfinger (Leitung), Markus Kristan, Ursula Prokop, Werner Michael Schwarz, Felix Siegrist, Adolph Stiller, Stefan Templ, Michaela Tomaselli, Maria Welzig, Anna Wickenhauser
Birkhäuser Verlag, Basel, 2025
Euro 49,00
ISBN 978-3-0356-2947-7

