Einige Fotos von Theodor Prachensky in der Zwischenkriegszeit geplanten Wohnbauten in Innsbruck im Vergleich mit Wohnhöfen von Josef Frank.
rainer köberl: sechs runde holzsäulen auf 2610 m
Der Gastraum von Theodor Prachensky in der Glungezerhütte
Im Rahmen der 1. FIS-Ski-Weltmeisterschaft 1933 baute der Ski-Club-Tirol für den Spezial-Abfahrtslauf unter dem Start zwischen Sonnenspitze und Glungezer 1932 ein hölzernes Starthaus. Die Strecke hinunter bis nach Hall, eigentlich 16 km lang – die längste Skiabfahrt der Ostalpen –, musste damals wegen Schneemangels auf 10 km gekürzt werden. Die Siegerzeit lag bei 18 Minuten, wobei die Rennläufer den Weg zum Start von der Bergstation der 1928 errichteten Patscherkofelbahn oder von Tulfes aus in mehrstündigem Aufstieg zurücklegen mussten.
Schon 1933 wurde an Stelle des kleinen Holzbaus eine größere Hütte in Stein nach den Plänen von Ing. Othmar Sehring errichtet. Das „Niedergeduckte“ knapp unter dem Grat, die Pultdachform des ehemaligen Gebäudes wurde beibehalten, werden doch am Glungezer Föhnstürme bis zu 260 km / h gemessen, die keine Bewegungen im Freien mehr erlauben, wo also Verhältnisse vorherrschen, die man auch am Himalaya erleben kann.
Theodor Prachensky, damals im Bauamt der Stadt Innsbruck tätig, entwirft als freier Architekt kurz darauf einen weiteren Zubau, wieder mit Steinen vor Ort und mit einem Pultdach. Der neue Baukörper ist etwas höher als das Bestandsgebäude und schiebt an seinem Ende, durch den Innenraum bedingt, ein letztes Drittel des Körpers zwei Meter weiter nach vorne.
Die 2027 startende Vergrößerung der Hütte durch Architekt Armin Neurauter wird erneut das bestehende Pultdach und damit die Charakteristik des Gebäudes weiterstricken, statt einfach ein Geschoß aufzusetzen. Die Teilnahme an der Jury zu dieser Lösungsfindung hat mich die außerordentliche Innenraumgestaltung Prachenskys entdecken lassen.
Er baute zuerst eine dicke Umfassungsmauer für das Volumen eines Gastraums. Man kann ihn nicht Stube nennen, weil sich der Raum nicht einfach, sondern komplex entwickelt und weil die Konstruktion weit über die vier Meter einer einfachen Holzkonstruktion spannt. Außerdem ist wichtig zu wissen, dass das gesamte Baumaterial außer den Steinen, nämlich Bretter, Balken und Blech, durch Mulis zum Bauplatz getragen werden musste.
In einem dreizehn Meter langen, sechs Meter breiten, im letzten Drittel aber acht Meter breiten, durch horizontale Bretter im Versatz getäfelten Steinraum tragen sechs runde Holzsäulen die Decke und strukturieren den Raum. Vier in zwei Meter Abstand von der Fassade stehende Säulen reduzieren die Spannweite und bilden große Sitznischen, die zwei anderen, statisch nicht notwendigen, strukturieren den Eingangsbereich und definieren eine zweite Raumzone, die durch den „Vorsprung“ entsteht und das „Wichtigste“ enthält: die Bar und die Stammtische.
In diese hölzerne, noble Welt aus Holzsäulen, Brettern und kleinen Fenstern kommt man von außen über einen engen Abgang zwischen Felsmauerwerk. Zur Einweihung baute Prachensky einen Altar aus Schnee, leider aber umsonst, das Wetter spielte nicht mit – wäre ja fast zu schön gewesen.
theodor prachensky (1888 – 1970)
Architekt und 1913 – 53 Stadtplaner der Stadt Innsbruck
Wenn man sowohl die Einzelbauwerke als auch die großen Wohnbauten Prachenskys besucht, wundert man sich, dass es keine Publikation gibt, die diesem architektonischen Werk und seiner Leistung als Stadtplaner gerecht wird. Das Buch „Theodor Prachensky – Architekt und Maler“ (antiquarisch noch zu finden) enthält sehr wohl ein ausgezeichnetes Werkverzeichnis, konzentriert sich jedoch auf sein malerisches Werk.
Im Unterschied zu seinen berühmteren Zeitgenossen realisierte Prachensky mehr als 1.000 Wohnungen, die im Stadtbild markant auffallen und Innenhöfe in herausragender Gestaltungsqualität bergen. Das Besondere daran sind ausgeprägte Rand- und abgesenkte baumbestandene Mittelzonen – manchmal sogar mit einem kleinen Kindergartengebäude.
Als kleines „Amuse Gueule“ finden Sie im Fotoalbum "wohnhöfe von prachensky und frank" Fotos von drei der Wohnbauten von Theodor Prachensky im Vergleich mit Wohnhöfen von Josef Frank.
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literatur
Bettina Schlorhaufer, Matthias Böckl: Theodor Prachensky. Architekt und Maler, 2006
Gerald Aichner: „Di TuXa“. Berggeschichten um den Glungezer, 2021 (www.gerald-aichner.at/di-tuxa/)
Herzlichen Dank an Armin Neurauter, der die winterliche Auffahrt auf die von Hütten-wirt Tshering Lama Sherpa ausgezeichnet bewirtschaftete Hütte organisierte.
Text: Rainer Köberl, aus aut: info 2/26
